Deutscher Gewerkschaftsbund

09.11.2018
Auszeichnung geht nach Sachsen

Für gute Integration Geflüchteter: Deutscher Betriebsrätepreis in Bronze an Siemens Leipzig

Zum 10. Mal seit 2009 würdigte der „Deutsche Betriebsräte-Preis“ innovative und beispielhafte Leistungen von Betriebsräten in Deutschland. Die Auszeichnung unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) ist eine Initiative der Fachzeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“ aus dem Bund-Verlag. Jörg Hofmann, 1. Vorsitzender der IG Metall, nannte den Bronzepreis für Siemens Leipzig: "... ein klares Zeichen, dass Rassismus und Hetze keinen Platz in den Betrieben haben dürfen."

Für Michael Hellriegel, Betriebsratsvorsitzender des Bronze-Preisträgers Siemens Schaltanlagenwerk Leipzig, war 2015 sofort klar, dass viele gefordert sind, um die geflüchteten Menschen zu integrieren. Der Betriebsrat im Werk sammelte Spenden und überlegte, wie sie geflüchteten Menschen bei einem Neuanfang helfen können. Da die meisten keine Arbeitserlaubnis hatten, kamen reguläre Jobs nicht infrage. Aber Praktika. 

Der Betriebsrat fragte in allen Abteilungen, wer Praktika für Geflüchtete anbieten kann. Die Antwort: sehr viele. Die Unternehmensleitung zog mit, und die Agentur für Arbeit schickte Bewerber. 2016 bekamen elf Geflüchtete Praktika im Leipziger Werk und Mindestlohn. "Bezogen auf die Beschäftigtenzahl sind wir damit Spitzenreiter im Konzern", sagt Hellriegel. Nach dem Praktikum versucht der Betriebsrat, den jungen Menschen eine Ausbildung zu vermitteln. Ein junger Mann lernt Elektroniker im Werk, zwei weitere beginnen im August eine Ausbildung als Industrieelektriker.

Für Michael Hellriegel braucht es drei Dinge, um Geflüchteten zu helfen. "Guten Willen, eine Betriebsleitung, die es unterstützt, und einen Buddy."

Das Buddy-System bedeutet Im Siemensschaltanlagenwerk: Jeder Praktikant hat einen Betreuer. Auch Michael Hellriegel begleitete einen jungen Mann. Er half ihm, sich für einen Schulabschluss anzumelden, und ging mit ihm zur Ausländerbehörde. Das Projekt nutzt nicht nur Geflüchteten. "Wo lernt man sonst im Alltag geflüchtete Menschen kennen?", fragt Hellriegel. "Bei uns können sich Beschäftigte selbst ein Bild machen, wer diese Menschen sind und was sie erlebt haben."

Dass all das im Leipziger Schaltanlagenwerk überhaupt möglich ist, ist dem erfolgreichen Kampf der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um ihren Standort im Jahr 2013 zu verdanken. Die geplante Fertigungsschließung und Verlagerung nach Portugal konnte gemeinsam mit der IG Metall, verschiedenen Unterstützern und der gesamten Belegschaft verhindert werden. 2014 hat der Betriebsrat hierfür einen Sonderpreis auf dem BetriebsräteTag erhalten.

Seit der ersten Ausschreibung zum „Deutschen Betriebsräte-Preis“ haben sich mehr als 800 Gremien mit ihren Projekten beteiligt. Das Spektrum reicht von betrieblichen Interessenvertretungen aus Kleinbetrieben über Gremien aus dem Mittelstand bis hin zu weltweit tätigen Konzernen. Der „Deutsche Betriebsräte-Preis“ wird auch im Jahr 2019 wieder verliehen. Weitere ausführliche Informationen zur Jury, zu den Preisträgern und Nominierten sowie zu allen eingereichten Projekten unter www.deutscherbetriebsraete-preis.de.

IG Metall

screenshot

Quelle: IG Metall


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