Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 08/2017 - 21.04.2017

Ausbildungsreport 2017 der DGB-Jugend Sachsen

Zufriedenheit mit der Ausbildung, aber auch viel Kritik

Über zwei Drittel aller Jugendlichen in Sachsen, die eine Berufsausbildung absolvieren, sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Gleichzeitig wird auch deutliche Kritik an den Ausbildungsbedingungen sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule geäußert. Dies ergab eine Befragung von über 1.500 Auszubildenden in Sachsen, die von der DGB-Jugend Sachsen durchgeführt wurde.

So gab fast ein Drittel der Jugendlichen (31,1,%) an, mit ihrer Ausbildung unzufrieden zu sein. Diese Unzufriedenheit bezog sich sowohl auf die fachliche Qualität der Berufsausbildung im Betrieb als auch auf die Qualität des Berufsschulunterrichts. Während 68,2 % der Befragten die fachliche Qualität im Betrieb positiv einschätzten, stuften 22% diese nur als befriedigend ein, fast 10 % nannten sie ausreichend oder mangelhaft. Vor allem in kleineren Betrieben wurde die Qualität schlechter beurteilt.

Die Berufsschulen bekamen ein schlechteres Zeugnis. Dort waren nur knapp 60% mit der Qualität des Unterrichts und der Wissensvermittlung zufrieden, während rund 30% diese mit ausreichend und fast 12% mit mangelhaft bezeichneten.

Ein Viertel der Auszubildenden muss regelmäßig Überstunden ableisten, bei den Köchen ist das sogar bei über 60% der Fall. Für 70 % der Auszubildenden sind das bis zu 5 Stunden pro Woche, rund 30 % müssen jedoch bis zu 20 Überstunden pro Woche leisten. Das Jugendarbeitsschutzgesetz schreibt vor, dass Jugendliche unter 18 Jahren maximal 40 Stunden arbeiten dürfen, dennoch gaben immerhin 13,4% der unter 18-jährigen an, dass sie länger als 40 Stunden arbeiten mussten.

Die durchschnittliche Ausbildungsvergütung lag bei den befragten Jugendlichen in Sachsen bei 685€. Bundesweit lag dieser Wert bei 717€. In den neuen Bundesländern erhielten Auszubildende, die nach Tarifvertrag bezahlt werden, im Durchschnitt 769€. Schlusslicht bei der Ausbildungsvergütung bleiben die Friseurinnen mit 269€.

In der Erhebung wurden auch psychische Belastungen von Auszubildenden erfragt. Fast ein Viertel gab an, das Zeit- und Leistungsdruck als belastend empfunden wird. Rund 20% gaben die langen Fahrtzeiten als belastend an. Ständige Erreichbarkeit, schlechte Pausensituationen sowie Probleme mit Kollegen und Vorgesetzten gehörten zu den weiteren Belastungen. Fast ein Viertel der jungen Menschen gab an, Probleme zu haben, sich in der Freizeit zu erholen.

In einer Sonderauswertung wurde auch die Ausbildungsqualität in Sozial- und Gesundheitsberufen erfragt. Auffällig ist die deutlich größere Zufriedenheit in diesen Berufen. Gerade bei Gesundheits- und Pflegeberufen zeigte sich aber eine auffällig hohe psychische Belastung.

Zu den Schlussfolgerungen aus dem Ausbildungsreport sagte die DGB-Jugendsekretärin Marlen Schröder: „Wir müssen dringend die Qualität der Ausbildung sowohl in Betrieben als auch in Berufsschulen in Sachsen verbessern. Dazu ist es nötig, dass regelmäßige Kontrollen über Verstöße gegen Gesetze und Verordnungen zum Jugendarbeitsschutz stattfinden. Außerdem muss stärker darauf geachtet werden, dass auch die Teilnahme am Berufsschulunterricht als Freistellung unter Fortzahlung der Ausbildungsvergütung behandelt wird. Wir brauchen in Sachsen eine niedrigschwellige, neutrale Beschwerdestelle für Auszubildende, die solchen Verstößen auch nachgehen kann.“

Daniel Herold, Jugendsekretär der Gewerkschaft ver.di für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, ergänzte: „Gerade Sozial- und Gesundheitsberufe brauchen bei den Veränderungen unserer Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Mit hohem Idealismus und großer Motivation gehen viele junge Menschen in die Ausbildung. Das darf nicht ausgenutzt werden. So gehen fast 60% der Auszubildenden in Gesundheits- und Pflegeberufen auch krank zu Arbeit.“

Markus Schlimbach, stellv. Vorsitzender des DGB Sachsen, sagte: „Gerade die anstehende Berufsschulnetzplanung in Sachsen sollte dazu genutzt werden, um auch die Qualität der Berufsschulen in den Blick zu nehmen. Der Lehrermangel macht sich auch dort gravierend bemerkbar. Eine moderne und qualitativ hochwertige Berufsausbildung muss das Ziel in Sachsen sein. Gute Arbeit fängt mit guter Ausbildung an.“


Nach oben

Kontakt Pressestelle

Markus Schlimbach

Markus Schlimbach

stellv. Vorsitzender
Öffentlichkeitsarbeit


Tel.: 0351-8633 108 /104
Fax: 0351-8633 158

E-Mail: Markus.Schlimbach [ÄT] dgb.de

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Fakten statt Zerrbilder? "Die Arbeitgeber" im DGB-Faktencheck
Unter dem Titel "Fakten statt Zerrbilder. Die Realität auf dem deutschen Arbeitsmarkt" hat die BDA - die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände - ihre Sicht auf den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Der DGB hat die Thesen der Arbeitgeber einem Faktencheck unterzogen - und kritisiert unter anderem das Lob auf die Agenda 2010. weiterlesen …
Artikel
Warnstreiks im Öffentlichen Dienst in Sachsen
Über 10.000 Lehrerinnen und Lehrer, Forstarbeiter, Feuerwehrleute sowie Beschäftigte aus allen Bereichen des öffentlichen Dienstes im Freistaat Sachsen kamen heute zur zentralen Warnstreikkundgebung der Gewerkschaften GEW und ver.di vor das sächsische Finanzministerium in Dresden. An den landesweiten Warnstreikaktionen nahmen darüber hinaus weitere tausende Beschäftigte der öffentlichen Verwaltungen in Sachsen teil. weiterlesen …
Artikel
13. DGB-Lausitzkonferenz in Hoyerswerda
Zum 13. Mal veranstalteten die DGB Bezirke Sachsen und Berlin-Brandenburg gemeinsam die Lausitzkonferenz. Die Potentiale der Lausitz können nur dann gehoben werden, wenn die verantwortlichen Akteure in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auch die sozialen, ökologischen, technischen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten der anstehenden Veränderungen gleichermaßen im Blick haben. Die Region muss als ›Ganzes‹ so entwickelt werden, dass weiterhin gut funktionierende Wertschöpfungsketten und Wirtschaftskreisläufe entstehen können bzw. erhalten bleiben. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten