Deutscher Gewerkschaftsbund

22.11.2016

Diskussion aktueller Probleme von Grenzgängern aus Polen und Tschechien

Im Gewerkschaftshaus Dresden haben sich heute 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Arbeitsverwaltungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden an einem Seminar zu aktuellen Fragen von Grenzgängern beteilig. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Tschechien und Polen diskutierten mit Expertinnen und Experten der Berufsgenossenschaft VBG und mit Rechtsexperten des DGB Themen von A wie Arbeitszeit bis Z wie Zeitarbeit.

In dem jährlich stattfindenden Seminar werden aktuelle Fragen aus der Beratungspraxis der EURES-TriRegio aufgegriffen und unter Hinzuziehung von Expertinnen und Experten behandelt.

In diesem Jahr standen am Vormittag insbesondere Arbeitsunfälle, Wegeunfälle und die Leistungen der Berufsgenossenschaften im Mittelpunkt. Aus der Praxis ist bekannt, dass Arbeitsunfälle häufig nicht vom Arbeitgeber gemeldet werden, Grenzgänger aus Polen und Tschechien zu geringe Kenntnisse über ihre Ansprüche haben und bei einem Arbeitsunfall von Kündigung bedroht sind. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind übereingekommen, die Zusammenarbeit mit den Berufsgenossenschaften zu intensivieren und die mehrsprachigen Angebote der Berufsgenossenschaften sowie die Leistungen der Berufsgenossenschaften bekannter zu machen.

Am Nachmittag ging es um die Themen Arbeitszeit, Mindestlohn, Leiharbeit und Lohnabrechnung. In der Praxis haben Grenzgänger aus Polen und Tschechien häufig mit einer Schlechterstellung im Betrieb zu kämpfen. Durch Sprach- und Informationsdefizite bedürfen sie einer intensiveren Information und Beratung in polnischer und tschechischer Sprache. Dabei spielen die EURES-Beraterinnen und –Berater der Arbeitsverwaltungen und die Kontaktstelle der EURES-TriRegio eine wesentliche Rolle. Sie haben in den letzten Jahren bereits eine Vielzahl von Informations- und Beratungstagen durchgeführt und den Grenzgängern bei Problemen zur Seite gestanden. Auch wurden Verbesserungen für Grenzgänger vor dem Arbeitsgericht erreicht. Für Gewerkschaftsmitglieder ist der Rechtsschutz kostenlos und der DGB Rechtsschutz ist in diesen Fällen tätig geworden.

Mehrsprachige Informationsmaterialien zum Thema Arbeitsrecht und soziale Sicherheit stehen auf der Internetseite des Interregionalen Gewerkschaftsrates Elbe-Neiße zur Verfügung.  

Hintergrund: Die EURES-TriRegio ist eine durch das EU-Programm für Beschäftigung und soziale Innovation“ (EaSI) geförderte grenzüberschreitende Arbeitsmarktpartnerschaft, in der die Arbeitsverwaltungen, Gewerkschaften und Arbeitgeber im Dreiländereck Sachsen-Nordböhmen-Niederschlesien zusammenarbeiten. Sie hat sich 2007 in Ústí nad Labem konstituiert und setzt sich für die Förderung der grenzüberschreitenden Mobilität unter fairen Bedingungen ein. Sie folgt dem Gleichbehandlungsgrundsatz und verfolgt als wesentliches Ziel die Einhaltung der geltenden Arbeits- und Sozialstandards am Arbeitsort. Sie bietet Information, Beratung und Vermittlung für Arbeitsuchende, Grenzgänger und Arbeitgeber in deutscher, tschechischer und polnischer Sprache.

Weitere Informationen unter www.eures-triregio.eu

 


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Pressemeldung
Gewerkschaften veröffentlichen Informationen für Grenzgänger aus Polen und Tschechien
Die Gewerkschaften im Dreiländereck Sachsen-Nordböhmen-Niederschlesien haben aktuelle Informationen zum Arbeitsrecht und zur sozialen Sicherheit in deutscher, tschechischer und polnischer Sprache veröffentlicht. Kurz und Konkret informieren die Broschüren zu A wie Arbeitsvertrag über M wie Mindestlohn bis Z wie Zuzahlungen. Zur Pressemeldung
Artikel
Informationen für Grenzgänger im Grenzraum Deutschland-Tschechien-Polen
Bei der Aufnahme einer Arbeit im Nachbarland, entstehen viele Fragen zum Lohn, zum Arbeitsvertrag, zum Kündigungsschutz etc. Grenzgänger, die in einem Land wohnen und in einem anderen Land arbeiten, sind mit spezifischen Problemen beim Arbeitsrecht, bei Arbeitslosigkeit, bei Familienleistungen, bei der Krankenversicherung, Rentenversicherung, Unfallversicherung etc. konfrontiert. Mit den Broschüren in deutscher, tschechischer und polnischer Sprache werden viele dieser Fragen kurz und verständlich beantwortet. weiterlesen …
Artikel
Transportgewerbe braucht flächendeckenden Mindestlohn
Wer in Deutschland arbeitet, muss den Mindestlohn bekommen – auch bei Transportdienstleistungen ausländischer Verkehrsunternehmen in Deutschland. Darin sind sich deutsche, polnische und tschechische Gewerkschaften einig und haben die Europäische Kommission aufgefordert, die flächendeckende Anwendung des Mindestlohns im Transportgewerbe auch für Transit- und Kabotage-Fahrten zuzulassen. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten