Deutscher Gewerkschaftsbund

24.05.2019
Rente reicht nicht

Rekord: Über 100 000 Rentner in Mitteldeutschland arbeiten noch

Die Zahl der arbeitenden Rentner hat in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt erstmals die 100 000er-Marke durchbrochen, ermittelte die "Leipziger Volkszeitung". Gingen 2017 noch 98 455 Senioren einer Arbeit nach, waren es Ende 2018 schon 106 344. Gegenüber 2010 sind es sogar 62,7 Prozent mehr. Damals arbeiteten 65 361 Senioren. Das geht aus einer Statistik hervor, die die Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur (BA) in Sachsen für die LVZ zusammengestellt hat.

„Es ist in Ordnung, wenn Rentner noch leistungsfähig genug sind, auch über den Rentenbeginn hinaus zu arbeiten“, meint Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach. Sicher seien viele wegen ihres Fachwissens für Betriebe fast unentbehrlich. „Für manche ist es leider die schiere Notwendigkeit, die Rente noch etwas aufzubessern. Und zur Wahrheit gehört auch, viele schaffen aus gesundheitlichen Gründen nicht mal die Zeit bis zur Rente.“ Gesundheitsvorsorge müsse deshalb einen höheren Stellenwert in Unternehmen erhalten, fordert der Gewerkschafter.

Die überwiegende Mehrheit der arbeitenden Rentner übt einen Minijob aus. „Von den insgesamt 222 673 Minijobbern in Sachsen ist jeder fünfte im Rentenalter“, sagt Agentursprecher Frank Vollgold. Innerhalb von acht Jahren habe sich ihre Zahl von 29.112 auf 45.074 erhöht. Die Gründe dafür, dass Senioren jobben, sind laut Umfragen unterschiedlich.

Ein Drittel aller geringfügig beschäftigten Rentner braucht das Geld, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Jeder zweite will sich durch einen Minijob Extrawünsche erfüllen. Spaß an der Arbeit und Kontakt zu anderen Menschen sind weitere Gründe. Für jeden zehnten Rentner spielt das Thema Geld keine Rolle.

Die Generation 65 plus ist über die Regelaltersgrenze hinaus häufig weiter als Lehrer, Straßenbahn- und Busfahrer, in Büroberufen, im Objektschutz oder im Gesundheits- und Sozialwesen tätig, stellte Sachsens Arbeitsagentur fest. Mitverantwortlich sei der wachsende Fachkräftebedarf. In einigen Fällen werden Vollzeitjobs beispielsweise in Teilzeitjobs umgewandelt, damit der Übergang in die Altersrente nicht abrupt erfolgt.

 


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