Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 28/12 - 22.05.2012

Staatsregierung zeigt mangelnden Sachverstand

Das sogenannte Bildungspaket der sächsischen Staatsregierung sorgt auch weiterhin für Aufregung. Neben den bisherigen Einzelheiten wurde jetzt eher zufällig bekannt, dass es Pläne gibt, wonach ganze Ausbildungs- und Weiterbildungsgänge an Berufsschulen gestrichen werden sollen. Die dadurch frei gesetzten Lehrkräfte sollen einen Teil der immer größer werdenden Fachkräftelücke im Berufsschulbereich decken.

Auf der Streichliste stehen fast alle vollzeitschulischen Ausbildungsgänge, die sogenannten Assistentenausbildungen. Aber auch Weiterbildungsgänge wie Techniker und Betriebswirte wären betroffen.

Die Vorsitzende des DGB Sachsen, Iris Kloppich, äußert sich kritisch zur Art und Weise des Vorgehens der Staatsregierung. „Diese Entscheidungen wurden ohne Einbeziehung der Betroffenen, der Lehrkräfte und ohne Mitwirkung der gesetzlich verankerten Akteure in der Berufsbildung getroffen“, sagte Frau Kloppich.

„Unter den vollzeitschulischen Berufsausbildungen, den sogenannten Assistentenberufen, gibt es viele, die abgeschafft gehören. Dennoch ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Um nur ein Beispiel zu nennen. Die Ausbildung zum/zur Sozialassistenten/in dient sehr häufig als Grundlage für die Erzieher/innenausbildung. Die Staatsregierung kann aber unmöglich wollen, dass sich weniger junge Menschen für eine Ausbildung zum/zur Erzieherin entscheiden“, führt Frau Kloppich weiter fort.

„Leider müssen wir auch bei diesem Thema feststellen, dass die Staatsregierung an demokratischer Mitwirkung nicht interessiert ist. Es gibt den Landesausschuss für Berufsbildung, der per Gesetz beratend aktiv ist. In ihm sitzen gleichberechtigt Vertreter der Gewerkschaften, Arbeitgeber, Ministerien und Schulen zusammen. Wenn es darauf ankommt wird der Ausschuss aber ignoriert“, so Frau Kloppich.

„Wir können die Staatsregierung deshalb nur auffordern, ihre Entscheidung zu überdenken und sich gründlich beraten zu lassen“.

Stichwort: Assistentenausbildung

Als zweiter Strang im System der Berufsausbildung in Deutschland existieren vollzeitschulische Bildungsgänge, die ebenfalls zu einem anerkannten Abschluss führen. Es gibt sowohl bundeseinheitlich geregelte Ausbildungsberufe, die sogenannten Gesundheitsberufe wie Alten- und Krankenpflege, als auch landesrechtlich geregelte. Um Letztere geht es bei den geplanten Veränderungen.

Landesrechtlich geregelte Berufsfachschule/ Assistentenberufe

Die Ausbildungsdauer beläuft sich in der Regel auf zwei Jahre. Der Abschluss lautet meist Assistent für … oder staatlich geprüfter Assistent für … . Beispiele dafür sind Staatlich geprüfter Assistent für Automatisierungs- und Computertechnik, Staatlich geprüfter gestaltungstechnischer Assistent, Schwerpunkt Grafik, Staatlich geprüfter Assistent für Hotelmanagement, Staatlich geprüfter Internationaler Touristikassistent oder auch der Sozialassistent.

 Nach Angaben des Sächsischen Ministeriums für Kultus lernen aktuell 10.196 Schüler/innen im 1.Ausbildungsjahr. Davon 8.379 in landesrechtlich geregelten Berufen, die fast alle von den Veränderungen betroffen wären, und 1.817 in bundesrechtlich geregelten Gesundheitsberufen, die nicht betroffen wären.


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Marlis  Dahne

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