Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 46 - 20.06.2024

Arbeitskämpfe 2023: Die Beschäftigten in Sachsen trauen sich was.

Zur heute vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) veröffentlichten Arbeitskampfbilanz für das Jahr 2023 sagte der sächsische DGB-Chef Markus Schlimbach:

„Die Beschäftigten in Sachsen trauen sich was und das ist gut so! Mehr Tarifverträge, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen fallen nicht vom Himmel, sondern müssen von den Beschäftigten mit den Gewerkschaften erkämpft werden. Angesichts niedriger Löhne in Sachsen und zeitweise stark steigender Preise war es enorm wichtig, in die Offensive zu gehen. Zur Durchsetzung der Verbesserungen waren auch Arbeitskämpfe notwendig.“

Neben den überregionalen Arbeitskämpfen im öffentlichen Dienst, bei der Post oder im Einzelhandel, weist das WSI 20 regionale Arbeitskämpfe aus, die sich auf Sachsen beschränken. Dabei handelt es sich nicht um einzelne Streiktage, sondern um Arbeitskämpfe insgesamt, die mindestens einen Streiktag, in der Regel aber mehrere Streiktage umfassen.

„Sachsen liegt bei der Zahl der Arbeitskämpfe in Ostdeutschland auf dem Spitzenplatz und bundesweit im ersten Drittel aller Bundesländer. Die Ursachen für die hohe Zahl an regionalen Arbeitskämpfen liegen auf der Hand: Die geringe Tarifbindung und die Unwilligkeit vieler Arbeitgeber Tarifverträge abzuschließen, führen zu mehr Häuserkämpfen. Wo Flächentarifverträge gelten, sind weniger regionale Auseinandersetzungen notwendig“, erläutert Schlimbach.

Ein weiterer Grund seien laut Schlimbach die niedrigen Löhne in Sachsen und die vielfach noch ausstehende Ost-West-Angleichung. „Die Beschäftigten sind zunehmend bereit, in die Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern zu gehen, um den Lohnrückstand aufzuholen und Lohngerechtigkeit herzustellen. Wenn Arbeitgeber ihr Beschäftigten wie beispielsweis beim Caterer Vielfalt Menü in Kesselsdorf bei Dresden nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn beschäftigen, brauchen sie sich nicht wundern, wenn das zu Konflikten führt. Gleiches gilt für Arbeitgeber, die sich aus Prinzip Tarifverträgen verschließen, wie dies bei SRW metalfloat in Espenhain der Fall ist“, erläutert Schlimbach.

Schlimbach forderte, dass auch in Sachsen Tarifverträge und gute Löhne endlich zur Normalität werden. Die Arbeitgeber forderte er auch mit Blick auf die Fachkräfteentwicklung auf, mehr Weitsicht zu entwickeln.

Zu den in Sachsen laufenden Arbeitskämpfen im Einzelhandel und im Großhandel sagte Schlimbach: „Während in anderen Bundesländern zum Teil bereits Abschlüsse erzielt wurden, stehen sie in Sachsen noch aus. Gerade in Branchen, die traditionell miese Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne bieten, muss jetzt endlich Bewegung bei den Arbeitgebern in Sachsen reinkommen. Einerseits über Fachkräftemangel jammern und andererseits die Beschäftigten am langen Arm verhungern zu lassen, ist ein ganz übles Spiel.“

Abschließend sagte Schlimbach zu den immer wieder aufflackernden verbalen Angriffen auf das Streikrecht in Deutschland: „Wer das Streikrecht schleifen will, bekommt von uns die volle Gegenwehr zu spüren. Diese reflexhaften Angriffe auf das angeblich zu weitgehende Streikrecht in Deutschland, entbehren auch jeglicher Realität: im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den arbeitskampfbedingten Ausfalltagen im unteren Mittelfeld.“

Die Studie des WSI mit Daten und zahlreichen Beispielen finden Sie hier:

WSI Arbeitskampfbilanz 2023 - Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung


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