Deutscher Gewerkschaftsbund

19.07.2019
#klarwählen | DGB Forderungen zur Landtagswahl

Gute Bildung!

Bildung ist Grundrecht und ein guter Bildungsstandort Voraussetzung für einen guten Wirtschaftsstandort. Der Grundsatz, dass Bildung der Grundstock für ein Leben in Selbstbestimmung und Würde ist, gilt mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung mehr denn je. Einfache Tätigkeiten für Un- und Angelernte werden an Bedeutung verlieren. Qualifikationen als Facharbeiter, Meister, Techniker, Bachelor und Master nehmen an Bedeutung zu. Die Grundlagen für das erfolgreiche Lernen werden in der Schule gelegt.

Schule hat keineswegs allein die Aufgabe, Menschen auf ihr Leben als Arbeitnehmer/in oder Arbeitgeber/in vorzubereiten. Gerade die demokratische Gesellschaftsordnung verlangt aktive Bürger/in. Dazu müssen sie in der Lage sein, politische Prozesse kritisch zu bewerten und Schlussfolgerungen zu ziehen. Wir wollen den/die mündige/n Bürger/in! Die politische Bildung, in und außerhalb von Schule, muss daher einen größeren Stellenwert in Sachsen gewinnen. Mit dem „W wie Werte“ Papier des SMK ist der Grundstock für die Schule gelegt. Als nächstes müssen alle Institutionen und Lösungsansätze gestärkt werden, die außerhalb und vor allem nach der Schule bzw. Schulzeit helfen, politische Bildung zu befördern.

Neben der Infrastruktur und der sachlichen Ausstattung der Bildungseinrichtungen spielen die Arbeitsbedingungen aller Bildungsakteure, Erzieherinnen, Lehrkräfte, Dozenten, Honorarkräfte etc. eine entscheidende Rolle für das Gelingen von Bildung. An den Hochschulen und in der Weiterbildung, zunehmend auch an Kitas und Schulen, arbeiten viele Menschen mit befristeten Verträgen. In der Weiterbildung, aber auch als Lehrbeauftragten an Hochschulen, arbeiten viele als Honorarkräfte ohne soziale Absicherung. Für alle Beschäftigten in Bildung und Wissenschaft sind Dauerstellen für Daueraufgaben zu schaffen. Zusätzliche Aufgaben benötigt zusätzliches Personal. Hier muss der Freistaat gegensteuern. Gute Arbeitsbedingungen sind die Voraussetzung für erfolgreiche Bildung.

Frühkindliche Bildung

Gute Bildung fängt bei den Kleinsten an und dafür ist eine gute Betreuung, die Individuen gerecht wird, Voraussetzung. Sachsen verfügt über einen anerkannten Bildungsplan für seine Kindertageseinrichtungen (Kitas). Um diesen aber auch vollumfänglich umzusetzen, braucht es eine Steigerung der Qualität und einen besseren Betreuungsschlüssel in Kinderkrippen und Kindertageseinrichtungen. Dies ist im Sinne der Beschäftigten, aber auch im Sinne der Kinder und ihrer (berufstätigen) Eltern. Eine gute Kinderbetreuung und frühkindliche Bildung ist auch ein Standortvorteil.

Schulen

Die soziale Herkunft entscheidet in Sachsen nach wie vor stark über die Frage, welche Schulform besucht wird. Außerdem ist der Anteil von Jugendlichen ohne einen verwertbaren Schulabschluss mit 8,4% sowohl national als auch international sehr hoch. Überwiegend sind auch hier wieder Jugendliche aus sozial schwachen Haushalten betroffen. Ein Instrument um einer weiteren sozialen Spaltung entgegenzuwirken ist längeres gemeinsames Lernen. Wir fordern die sächsischen Parteien auf sich zur Gemeinschaftsschule und dem gemeinsamen Lernen gemäß des Volksantrages zu bekennen.

Der Ausbau der Sozialarbeit an den sächsischen Schulen ist dabei ein wichtiger Punkt. Um die Zahlen der Schulabbrecher*innen zu verringern und eine weitere soziale Spaltung unserer Gesellschaft zu verhindern ist Jugendsozialarbeit ein wichtiges Instrument. Wir fordern den flächendeckenden Ausbau, ausdrücklich auch an Berufsschulen.

Außerschulische Bildung

Außerschulische Bildungsorte genießen gegenüber dem Lernort Schule zu wenig Anerkennung. Jugendverbände sind solche Lernorte. Die finanzielle Förderung der Jugendverbandsarbeit muss deutlich erhöht werden. Der DGB fordert daher, sich bei der zukünftigen Förderung an den Haushaltsentwürfen des Kinder- und Jugendrings Sachsen (KJRS) zu orientieren. Außerdem können Jugendverbände Partner bei der Ausweitung von Ganztagsangeboten von Schule sein. Hierfür braucht es aber des Abbaus von Hürden auf der Seite von Schulen. Auch hierzu hält der KJRS entsprechende Vorschläge bereit.

Berufsausbildung

Die duale Berufsausbildung befindet sich im Wettbewerb zur akademischen Ausbildung an Hochschulen. Für viele Berufe ist eine duale Ausbildung weiterhin zukunftsfähig und sinnvoll. In Zeiten des Fachkräftemangels muss sie für Jugendliche wieder attraktiver werden. Die Attraktivität steht und fällt mit der Ausbildungsqualität in den Unternehmen, in der Berufsschule und den Rahmenbedingungen.

Eine tarifliche Ausbildungsvergütung ist ein solches Attraktivitätsmerkmal, ergänzt von einer Mindestausbildungsvergütung als unterste Haltelinie. Auch ein Bildungsticket würde die Rahmenbedingungen verbessern. Für Azubis fordert der DGB ein Ticket für ganz Sachsen, altersunabhängig, für 10 Euro im Monat. Ziel muss es sein, dass alle Ausbildungskosten, z.B. für Unterbringung, übernommen werden.

Trotz statistisch guter Zahlen beim Angebot von Ausbildungsplätzen finden immer noch zu viele Jugendliche keinen Ausbildungsplatz. Der Großteil von ihnen verfügt über keinen verwertbaren Abschluss oder einen Hauptschulabschluss. Hier gilt es u.a. den Ansatz der Jugendberufsagenturen weiter auszubauen. Außerdem sind die Instrumente der Bundesagentur für Arbeit und Programme des Freistaates wie „Vorrang für duale Ausbildung“ konsequent zu nutzen und auszubauen.

Berufsschulen bzw. Berufsschulzentren (BSZ), die dort arbeitende Fachkräfte und die bauliche und technische Ausstattung muss verbessert werden, sollen sie den Anforderungen der Wirtschaft auf die Entwicklungen u.a. Digitalisierung genüge tragen. Es braucht sowohl verstärkte Anstrengungen, um ausreichend qualifizierte Lehrkräfte, besonders für technische Berufe, zu gewinnen als auch eine „Investitionsoffensive BSZ“ in die technische Ausstattung. Vorbild können hierbei die Lernfabriken in Baden Württemberg sein. Zusätzlich ist es überfällig, die im Schulgesetz verankerte Schulnetzplanung umzusetzen. Sachsen braucht ein zukunftssicheres Netz an Berufsschulzentren.

Der DGB-Bezirk Sachsen rät den Parteien, die Handlungsempfehlung des Landesausschusses für Berufsbildung „Mut zu Veränderungen“ auch weiterhin als Richtschnur für die Ausrichtung der Berufsbildungspolitik in Sachsen bzw. für Reformdiskussionen auf Bundeseben anzusehen.

Bildung hört nach dem Berufsabschluss nicht auf. Die Instrumente um Weiterbildung zu ermöglichen sollten weiter ausgebaut werden, auch durch ein Bildungsfreistellungsgesetz. Weiterbildung kostet Geld und braucht Qualität und gute Arbeit. Wir fordern deshalb die Parteien auf, mehr Geld für die Weiterbildung zu investieren und diese Zahlungen an Qualitäts- und Sozialstandards der Weiterbildungsträger zu knüpfen. Dazu zählt der DGB Sachsen Mindesthonorarvereinbarungen, Quoten für Festbeschäftigte, Tarifbindung und Betriebsratsgremien.


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