Deutscher Gewerkschaftsbund

11.01.2013

Sachsen hat ein Niedriglohnproblem

Das Jahr 2013 beginnt wie das Jahr 2012 geendet hat. Kammern und Arbeitgeberverbände beklagen trotz Konjunkturabkühlung einen Fachkräftemangel. Die Gewerkschaften verweisen darauf, dass Fachkräfte nur mit guten Löhnen zu locken sind. Und genau da hat Sachsen ein Problem. 

Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Löhne in Sachsen immer mehr dem westdeutschen Durchschnitt hinterherhinken. Nach einer Unternehmensumfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Auftrag des Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit ist Sachsen 2011 sogar auf den letzten Platz bei den Löhnen in Deutschland gerutscht. Im ostdeutschen Durchschnitt werden 2350 € verdient, in Sachsen liegt der Durchschnitt bei 2240 €. Damit liegt Sachsen sogar noch hinter Mecklenburg-Vorpommern, wo 30 € mehr verdient werden. Auf Vollzeit umgerechnet haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Sachsen lediglich 75 % des Westniveaus erreicht. 

Der DGB Sachsen führt dies auf den weit verbreiteten Niedriglohnsektor zurück. Setzt man die bundeseinheitliche Niedriglohnschwelle von 1802 € an, dann sind fast 44 % der Sachsen zu Niedriglöhnen beschäftigt. Die Schwelle zum Niedriglohn beginnt nach der Definition der OECD bei zwei Drittel des jeweiligen Durchschnittslohns. Selbst bei einer an die Bedingungen in Ostdeutschland angepassten Niedriglohnschwelle von 1379 € ist immer noch fast jeder Vierte (23 %) in Sachsen darunter. Vor allem Frauen sind von niedrigen Löhnen betroffen. Jede dritte Frau arbeitet zu Niedriglöhnen, während es bei den Männern nur jeder Sechste ist (Frauen 32,3 %, Männer 16,5 %).

Der DGB Sachsen drängt deshalb darauf, dass Sachsen schnellstens von seinem Niedriglohn-Image wegkommt und macht konkrete Vorschläge: Öffentliche Aufträge an Tarifverträge koppeln, Investitionszuschüsse vorrangig an tarifgebundene Firmen und ein deutliches Bekenntnis der Staatsregierung zu Tarifverträgen als Standard der Bezahlung.


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