Deutscher Gewerkschaftsbund

26.08.2019
Tarife/Halbleiterindustrie

Chiphersteller Globalfoundries: Wachsender Unmut in der Belegschaft

Etwa 500 Beschäftigte des Chipherstellers Globalfoundries (GF) haben am 23. August mit einer "Tarifmittagspause" vor dem Werktor protestiert. Das Unternehmen verweigert Gespräche mit der Gewerkschaft über die Einführung eines Tarifvertrages, kritisierten sie. "Sachsen hat die niedrigste Tarifbindung in Deutschland. Das muss sich ändern, und wir treiben das jetzt auch in unserer Branche mit voran", sagte Verhandlungsführer Oliver Heinrich von der IG BCE Nordost. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) und DGB-Sachsen-Chef Markus Schlimbach waren ebenfalls vor Ort und ermutigten die Beschäftigten, für ihre Interessen einzustehen.

Betriebsräte von GF stellen wachsenden Unmut in der Belegschaft fest und wollen sich nicht hinhalten lassen:  Die Arbeitszeit sei das Top-Thema. "Wir wollen für unsere Schichtmitarbeiter die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Dieses bedeutet eine Absenkung der jetzigen Arbeitszeit im Schichtsystem um 90 Minuten pro Woche", sagt Ulf Brinkmann. Derzeit werde in einem 36,75-Stunden-Modell gearbeitet. Bei einem nun geplanten Wechsel von 12-Stundenschichten auf ein 8-Stundenmodell sammeln sich so 11 sogenannte Einbringeschichten an, die zu anderen Terminen abgearbeitet werden müssen und damit Freischicht-Blöcke verkürzen. Die Absenkung um 90 Minuten soll diese Einbringeschichten eleminieren.

Für die Mitarbeiter, die nicht im Schichtdienst arbeiten, bedeute diese Absenkung um 90 Minuten dann eine 38,5-Stundenwoche.

"Es soll dann im zweiten Schritt um die Transparenz beim Geld gehen. Die Bezahlung ist für gleichwertige Tätigkeiten unterschiedlich, je nachdem, wie die einzelnen Beschäftigten z.B. bei ihrer Einstellung verhandelt haben. Das wollen wir tariflich und fair regeln", sagt Hans-Jürgen Fischer.

Dem Unternehmen dagegen passen die selbstbewussten Forderungen der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaft nicht. Ob die Aktion vor dem Werktor neue Bewegung in den Konflikt bringt, bleibt abzuwarten. In den vergangenen 9 Monaten hatte die Geschäftsleitung Zeit genug, sich mit dem Tarifwerk der IG BCE zu beschäftigen und abzuschätzen, welche Chancen und Risiken ein Tarifvertrag bietet. Für Sondierungsgespräche sehen die Gewerkschafter jedenfalls keine Notwendigkeit mehr. Sollte es der Geschäftsleitung darum gehen, eine Branchenlösung für Sachsen zu erreichen, dann ist sie am Zuge, die entsprechenden Gespräche mit den betreffenden Unternehmen zu führen. Dem Vernehmen nach, schauen nämlich auch die Geschäftsführungen und Belegschaften der anderen Dresdner Chipfabriken gespannt darauf, wie die Auseinandersetzung bei Globalfoundries weitergeht.

Derzeit arbeiten rund 3 200 Beschäftigte im Dresdner Halbleiterwerk von GF. Im Sommer 2018 gab es nach dem Verlust eines Großkunden Kurzarbeit. Seit Februar 2019 wird am Dresdner Standort wieder regulär gearbeitet.

Warnstreik bei GF in Dresden

Lassen sich nicht länger hinhalten: Gewerkschaftsmitglieder bei GlobalFoundries Dresden Foto: DGB

Warnstreik für Tarifvertrag: Martin Dulig (SPD) ist dabei

Martin Dulig: Sachsen muss Tarifland werden Foto: DGB


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