Deutscher Gewerkschaftsbund

01.10.2015
150. Jahrestag der Gründung deutscher Gewerkschaften in Leipzig

"Solidarität im Wechsel der Zeiten"

Politisch-historische Konferenz

Michaela Rosenberger

Michaela Rosenberger DGB Sachsen

Gerade einmal 1.000 Meter Luftlinie entfernt von dem Ort, an dem in Leipzig Weihnachten 1865 die Vorläuferorganisation der NGG, der Allgemeine Deutsche Cigarrenarbeiterverein (ADCAV), gegründet wurde, tagte am 29. und 30. September 2015 eine politisch-historische Konferenz der KOWA Leipzig in Kooperation mit dem DGB Sachsen und der Gewerkschaft NGG sowie mit freundlicher Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit dem Titel „150 Jahre Solidarität im Wechsel der Zeiten“. Über 90 Teilnehmende beschäftigten sich u.a. mit den Anfängen der Gewerkschaften in Deutschland und damit auch mit den Wurzeln der NGG, der ältesten deutschen Gewerkschaft.

Die NGG-Vorsitzende Michaela Rosenberger hob in ihrer Eröffnungsrede insbesondere die Bedeutung von Friedrich Wilhelm Fritzsche, dem Gründungsvater und Präsidenten des ADCAV, hervor. In ihrem Rückblick auf die 150-jährige Geschichte der NGG erinnerte sie daran, dass vermeintliche Selbstverständlichkeiten wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Frauenrechte und Mutterschutz, bezahlter Urlaub und Recht auf überbetriebliche Ausbildung, auf Bildungsurlaub und Mindestlohn eben nicht selbstverständlich und auch keine freundlichen Geschenke von Arbeitgebern oder fürsorglichen Regierungen, sondern hart erkämpft worden seien: „mit Mut und manchen Opfern“. Insbesondere in der Gründungsphase der Gewerkschaften sei „sich zu wehren, buchstäblich notwendig gewesen, um eben die Not zu wenden“.

Weitere spannende Vorträge und Diskussionen widmeten sich den Themenbereichen „Protest und Solidarität“, „Würde und Wandel der Arbeit“ und Transnationale Perspektiven“. Höhepunkt des ersten Konferenztages war die „Szenische Revue eines abenteuerlichen Lebens“, in der Schauspielerinnen den Revolutionär, Gewerkschaftsgründer, Sozialdemokraten und Arbeiterdichter F.W. Fritzsche auf erfrischende Art und Weise „zum Leben erweckten“.

Zum Abschluss der Konferenz diskutierten Prof. Stefan Berger vom Institut für soziale Bewegungen, Bochum, und Iris Kloppich, Vorsitzende des DGB Bezirk Sachsen, über das Thema „150 Jahre Gewerkschaften – was hatten die Arbeiterinnen und Arbeiter davon?“ Prof. Berger nannte eine lange Liste von Verbesserungen, die Gewerkschaften erkämpft haben: Lohnerhöhungen, Sicherheit am Arbeitsplatz, Freizeit und Erholung, Urlaub, soziale Absicherung, mehr Demokratie, Zugang zur Bildung. Heutzutage sei leider weitgehend vergessen worden, wann das alles eingeführt worden sei, wer dafür gekämpft habe und forderte mehr historische Bildung, um das Erreichte stärker wertzuschätzen und auf dieser Grundlage zu entscheiden, wohin man in Zukunft wolle. „150 Jahre Gewerkschaften bedeutet“, so Iris Kloppich, „dass in der Vergangenheit die Voraussetzungen für die Gegenwart geschaffen wurde. Damals wie heute ging es um Löhne, um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, um ein besseres Leben.“ In Zukunft müssten sich die Gewerkschaften darauf konzentrieren, die Mindestlöhne zu erhöhen, die Arbeitsbedingungen von prekär Beschäftigten wie Leiharbeiterinnen und Werkvertragsnehmern, von jungen Leuten mit befristeten Arbeitsverträgen zu verbessern und Arbeitszeitregelungen erkämpfen, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.


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