Deutscher Gewerkschaftsbund

15.05.2020
Stand: 15.05.2020

Informationen zur Kurzarbeit

Zur Kurzarbeit gibt es viele Fragen. Antworten und Informationen stellen der DGB, die Gewerkschaften und die Arbeitsverwaltungen zur Verfügung. In diesem Artikel haben wir sie zusammengefügt. Neben dem kurzen FAQ ist unten eine umfassende Linkliste zu konkreten Informationen des DGB Bundesvorstandes und der Gewerkschaften zu finden.

Ausführliche und wichtige Informationen zum Kurzarbeitergeld und ergänzenden Leistungen gibt es auf der Seite der Regionaldirektion Sachsen der Bundsagentur für Arbeit sowie im FAQ der Bundesagentur für Arbeit.

 

FAQ Kurzarbeit: Was Beschäftigte wissen sollten!

  • Was ist Kurzarbeit?

    Bei Kurzarbeit verringert der Arbeitgeber die Arbeitszeit. Dies ist auch bis 100 % bei der sogenannten „Kurzarbeit 0“ möglich. Die Beschäftigten erhalten in dieser Zeit einen Ausgleich von der Bundesagentur für Arbeit aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung, das sogenannte Kurzarbeitergeld. Kurzarbeit ist also eine Art „Teilarbeitslosigkeit“.

  • Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

    Kurzarbeit können alle gewerblichen Betriebe beantragen, die mindestens einen Beschäftigten haben. Auch Leiharbeitsunternehmen. Das ist neu. Wichtig ist, dass ein erheblicher Arbeitsausfall vorliegen muss, der zu einem Entgeltausfall führt. Dieser Arbeitsausfall muss wirtschaftliche Gründe (fehlende Folgeaufträge, Rohstoff- oder Absatzmangel) oder ein unabwendbares Ereignis (Hochwasser, behördliche Anweisungen im Kontext des Corona-Virus) als Ursache haben.

    Wichtig: Es müssen mindestens 10 % der Beschäftigten von einem Arbeitsausfall betroffen sein.

  • Was ist der Vorteil von Kurzarbeit?

    Der Vorteil von Kurzarbeit ist, dass Sie Ihren Arbeitsplatz erhalten und mit dem Kurzarbeitergeld eine Ausgleichszahlung erhalten.

  • Gilt Kurzarbeit auch für mich?

    Wenn Sie in Deutschland bei einem Arbeitgeber sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und damit in Deutschland in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, gelten für Sie die gleichen Regeln, wie für alle anderen Beschäftigten. Sie haben damit auch Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

    Achtung: Wenn Sie eine geringfügige Beschäftigung haben, dann gilt Kurzarbeit für Sie nicht. Siehe die Frage zu den Ausnahmen.

  • Wer ist von Kurzarbeit ausgenommen?

    Beschäftigte, die vor Beginn der Kurzarbeit im Urlaub sind oder Krankengeld bekommen, sind von der Kurzarbeit ausgenommen. Minijobber sind von der Kurzarbeit ausgenommen, da sie von der Sozialversicherungspflicht ausgenommen sind. Nach Deutschland Entsandte und kurzfristig Beschäftigte sind ebenfalls ausgenommen (siehe unten).

  • Muss mich der Arbeitgeber darüber informieren, dass er Kurzarbeit beantragen will?

    Ja. Er muss Ihnen, wenn Sie betroffen sind, die Kurzarbeit ankündigen. Dafür wird in der Regel eine Betriebsvereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und dem Betriebsrat abgeschlossen.

    Wenn es in Ihrem Unternehmen keinen Betriebsrat gibt, muss der Arbeitgeber eine Einverständniserklärung aller von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten einholen. Wenn Sie betroffen sind, müssen Sie also zustimmen.

    Achtung: Es kann aber auch sein, dass die Zustimmung zu Kurzarbeit in Ihrem Arbeitsvertrag vereinbart ist. Dann kann der Arbeitgeber Kurzarbeit anordnen.

  • Was ist mit meinem Arbeitszeitguthaben?

    Wenn es in Ihrem Betrieb eine flexible Arbeitszeitregelung gibt, müssen Sie Ihr Arbeitszeitguthaben (Plusstunden) einbringen, es sei denn, es ist im Tarifvertrag anders geregelt. Fragen Sie Ihren Betriebsrat oder Ihre Gewerkschaft!

  • Was ist mit meinem Urlaub und meinem Resturlaub aus dem vergangenen Jahr?

    Ihre Urlaubsansprüche müssen vor Beginn der Kurzarbeit für das laufende Jahr verplant werden. Resturlaub aus dem vergangenen Jahr muss vor der Kurzarbeit abgebaut werden.

  • Sollte ich der Kurzarbeit zustimmen?

    Weil mit Kurzarbeit der Arbeitsplatz erhalten bleibt, empfehlen wir, die Zustimmung zu erteilen.

    Achtung: Wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber eine Vereinbarung vorlegt, ist wichtig, dass es sich wirklich um eine Ergänzung des Arbeitsvertrags zur Kurzarbeit handelt, und nicht um einen komplett neuen Arbeitsvertrag. Deshalb: Bitte unterschreiben Sie keine Aufhebungsverträge oder Änderungsverträge zum Arbeitsvertrag, die der Arbeitgeber wegen der Corona-Krise vorlegt! Lassen Sie sich in jedem Fall immer erst vom Betriebsrat, Ihrer Gewerkschaft oder einer Beratungsstelle beraten!

  • Was ist Kurzarbeitergeld?

    Das Kurzarbeitergeld ist die Ausgleichszahlung, die von der Bundesagentur für Arbeit während der Kurzarbeit bezahlt wird. Es soll den Verdienstausfall zumindest teilweise ausgleichen. Es wird nur für die ausgefallenen Arbeitsstunden gewährt.

  • Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

    Das Kurzarbeitergeld liegt bei rund 60 % des ausgefallenen Nettoentgelts. Lebt mindestens ein Kind mit in Ihrem Haushalt, beträgt das Kurzarbeitergeld etwa 67 % des ausgefallenen Nettoentgelts.

    Das Kurzarbeitergeld wird für diejenigen, die Corona-Kurzarbeitergeld für ihre um mindestens 50 Prozent reduzierte Arbeitszeit beziehen, ab dem 4. Monat des Bezugs auf 70 Prozent (bzw. 77 Prozent für Haushalte mit Kindern) und ab dem 7. Monat des Bezuges auf 80 Prozent (bzw. 87 Prozent für Haushalte mit Kindern) des pauschalierten Netto-Entgelts erhöht, längstens bis 31.12.2020.

    Achtung: Es gibt einige Tarifverträge, die eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf bis zu 100 % vorsehen. Fragen Sie den Betriebsrat oder Ihre Gewerkschaft! Eine Übersicht gibt es hier: https://www.wsi.de/de/kurzarbeit-22444.htm

  • Wer ist vom Anspruch auf Kurzarbeitergeld ausgenommen?

    Die Zahlung des Kurzarbeitergeldes ist an die Versicherung in der Arbeitslosenversicherung gebunden. D.h., Beschäftigte, die nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, können deswegen auch kein Kurzarbeitergeld erhalten. Dazu gehören geringfügig Beschäftigte (Minijobber), Selbständige ohne Angestellte und Beamte. Wenn Sie arbeitsunfähig sind und Krankengeld beziehen, haben Sie ebenfalls keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

  • Muss ich selber Kurzarbeitergeld beantragen?

    Nein. Kurzarbeitergeld wird generell vom Arbeitgeber beantragt. Das macht er bei der Bundesagentur für Arbeit.

  • Wer bezahlt mir das Kurzarbeitergeld und wie lang ist die Bezugsdauer?

    Die Auszahlung erfolgt durch Ihren Arbeitgeber. Kurzarbeitergeld ist auf 12 Monate begrenzt. In außergewöhnlichen Fällen kann der Zeitraum auf 24 Monate verlängert werden.

  • Bin ich während des Bezugs von Kurzarbeitergeld sozialversichert?

    Ja. Ihre Mitgliedschaft in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sowie in der Arbeitslosenversicherung und in der betrieblichen Unfallversicherung bleibt bestehen.

  • Was passiert, wenn ich während der Kurzarbeit krank werde?

    Wenn Sie während der Kurzarbeit krank und arbeitsunfähig werden, bekommen Sie weiter Kurzarbeitergeld. Und zwar so lange, wie Ihr Anspruch auf Entgeltfortzahlung bestehen würde. Anschließend erhalten Sie Krankengeld.

  • Was passiert, wenn ich während der Kurzarbeit einen Arbeits- oder Wegeunfall habe?

    Wenn Sie während der Kurzarbeit einen Arbeits- oder Wegeunfall haben, bekommen Sie weiter Kurzarbeitergeld. Und zwar so lange, wie Ihr Anspruch auf Entgeltfortzahlung bestehen würde. Anschließend erhalten Sie Verletztengeld von der Berufsgenossenschaft.

  • Darf ich neben der Kurzarbeit woanders arbeiten?

    Wenn Sie vor der Kurzarbeit schon eine Nebentätigkeit hatten, können Sie diese fortführen. Das Einkommen wird nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

    Wenn Sie aber eine neue Tätigkeit aufnehmen oder die bestehende Nebentätigkeit ausweiten, wird das daraus erzielte Einkommen auf das Kurzarbeitergeld vollständig angerechnet. Das Kurzarbeitergeld verringert sich entsprechend.

    Achtung: Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Kurzarbeit werden ab 1. Mai bis 31.12.2020 die bereits bestehenden Hinzuverdienstmöglichkeiten mit einer Hinzuverdienstgrenze bis zur vollen Höhe des bisherigen Monatseinkommens für alle Berufe geöffnet.

  • Was ist, wenn das Geld nicht reicht?

    Wenn das Einkommen des Haushaltes nicht mehr ausreicht, um die Lebenshaltungskosten zu decken, können Leistungen der Grundsicherung beantragt werden. Dazu sollten Sie sich telefonisch beim Jobcenter beraten lassen.

    Achtung: Grenzgänger, die ihren Wohnort in einem anderen Mitgliedsstaat haben, haben in Deutschland keinen Anspruch auf aufstockende Leistungen nach SGB II.

  • Darf mir mein Arbeitgeber während der Kurzarbeit kündigen?

    Kurzarbeit soll Kündigungen verhindern. Betriebsbedingte Kündigungen sind aber leider nicht ausgeschlossen.

  • Gilt Kurzarbeit auch für mich als Grenzgänger?

    Ja, wenn Sie in Deutschland bei einem Arbeitgeber sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und damit in Deutschland in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, gelten für Sie die gleichen Regeln, wie für alle anderen Beschäftigten. Sie haben damit auch Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

    Achtung: Wenn Sie eine geringfügige Beschäftigung haben, dann gilt Kurzarbeit für Sie nicht. Siehe die Frage zu den Ausnahmen.

  • Können Grenzgänger Kurzarbeitergeld erhalten?

    Dem Grunde nach können auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Grenzregionen, die zur Arbeit nach Deutschland pendeln, Kurzarbeitergeld bekommen.

    Der Anspruch auf Kurzarbeitergeld ist daran geknüpft, dass in dem Betrieb des deutschen Arbeitgebers wegen einer behördlichen Anordnung oder fehlender Auslastung gar nicht mehr oder nicht mehr voll gearbeitet werden kann. Sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Grenzgänger sind, von dem Arbeitsausfall im Betrieb betroffen bekommen sie für die ausgefallene Arbeitszeit Kurzarbeitergeld. Dies gilt auch dann, wenn es zu einer Grenzschließung oder Quarantänemaßnahme kommt, von der sie betroffen sind.

    Betriebe in Grenzregionen, die für ihre Beschäftigten bereits laufend Kurzarbeitergeld beziehen und aufgrund der vorher geltenden Auffassung keine Leistungen für Beschäftigte mit Wohnsitz in Polen oder Tschechien erhalten haben, können für die Monate März und April eine Korrekturabrechnung einreichen. Betriebe, deren Anspruch auf Kurzarbeitergeld aufgrund der bisherigen Auffassung vollständig abgelehnt worden sind, können die Überprüfung des Antrags einfordern und Leistungen rückwirkend erhalten.

  • Können Entsandte Kurzarbeitergeld erhalten?

    Nein. Nach Deutschland entsandte Beschäftigte fallen unter das Sozialversicherungssystem ihres Entsendelandes.

  • Können kurzfristig Beschäftigte Kurzarbeitergeld erhalten?

    Nein. Kurzfristig Beschäftigte (70-Tage-Regelung), vor allem relevant in der Landwirtschaft, sind nicht in der deutschen Arbeitslosenversicherung versicherungspflichtig.

  • Können Beschäftigte, die direkt vom Privathaushalt eingestellt sind, Kurzarbeitergeld erhalten?

    Nein. Es gilt nicht für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte beispielsweise in der häuslichen Pflege oder haushaltsnahen Dienstleistungen, die direkt vom Privathaushalt eingestellt sind.

Alle Fragen und Antworten zum Download

 

Wichtige Informationsquellen

Beim DGB Bundesvorstand gibt es umfassende Antworten zu Conrona und Kurzarbeit

In immer mehr Branchen wird das Kurzarbeitergeld per Tarifvertrag aufgestockt. Dazu gibt es aktuelle Informationen des WSI Tarifarchiv

Informationen des DGB Bezirk Sachsen für Beschäftigte aus Polen und Tschechien:

Kurzarbeit: Co powinni wiedzieć zatrudnieni z Polski i Czech pracujący w Niemczech!

Kurzarbeit: Co by měli vědět zaměstnanci z Česka a Polska, kteří pracu-jí v Německu.

Kurzarbeit: Was Beschäftigte aus Tschechien und Polen, die in Deutschland arbeiten, wissen sollten!

 

Postion der DGB Jugend Sachsen "Azubis in der Corona Krise schützen"

 

Informationen der Gewerkschaften

IG Metall

Alle wichtigen und aktuellen Informationen des IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen zu Corona und zur Kurzarbeit

Metall- und Elektroindustrie

Zuzahlungen bei Kurzarbeit im Kfz-Handwerk

IG BCE

Aktuelle Informationen der IG BCE Nordost

FAQ zur Kurzarbeit

Umfassende Informationen zu Corona, Branchenvereinbarungen etc. auf einer Unterseite zusammengestellt

Ver.di

Informationen von ver.di Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen zu Covid19 und Infoblatt zur Kurzarbeit

Ver.di hat auch auf der Bundesseite zahreiche Informationen auf der Homepage. Bitte hier über die Suchfunktion gehen.

NGG

FAQ zur Kurzarbeit

Vereinbarung zur Aufstockung des Kurzarbeitergeldes in der Systemgastronomie

IG BAU

Alle Informationen zu Corona und zur Kurzarbeit auf einer Unterseite zusammengestellt

EVG

Alle Informationen zu Corona und zur Kurzarbeit auf einer Unterseite zusammengestellt

GEW

FAQ zur Kurzarbeit

Alle Informationen zu Corona und zur Kurzarbeit auf einer Unterseite der GEW Sachsen zusammengestellt

GdP

Informationen zu Corona bei der GdP Sachsen


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Pressemeldung
Informations- und Beratungsbedarf von ausländischen Beschäftigten in Sachsen während Corona-Pandemie enorm gestiegen.
Die Corona-Pandemie hat noch einmal deutlich gezeigt, wie wichtig verlässliche Informations- und Beratungsangebote für ausländische Beschäftigte sind, um faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. Es gab einen Ansturm auf die mehrsprachigen Informationsangebote und die Beratungsstelle für ausländische Beschäftigte in Sachsen (BABS) hat hervorragende Arbeit geleistet. Zur Pressemeldung
Pressemeldung
Achtung, Beschäftigte: Keine verschlechterten Arbeitsverträge unterschreiben!
Der DGB warnt: Wer vom Arbeitgeber in der jetzigen Situation verschlechterte Arbeitsvrträge vorgelegt bekommt, sollte diese keinesfalls unterschreiben. Betroffene verzichten nicht nur auf Arbeitseinkommen, sondern erhalten später auch weniger Leistungen der Arbeitsagentur, sollten sie sie brauchen. Zur Pressemeldung
Pressemeldung
Arbeitsmarktzahlen in Sachsen: Kurzarbeit wirkt - Beschäftigung weiter sichern!
Die Corona-Pandemie erzeugt einen massiven Druck auf den Arbeitsmarkt. Binnen zwei Monaten sind die Kurzarbeitsanzeigen in Sachsen auf einen Rekordstand gestiegen. Gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit, auch weil praktisch keine Vermittlung mehr stattfindet. Kurzarbeit wirkt! Denn überall da, wo Kurzarbeit angemeldet wird, sollen Jobs erhalten bleiben. Zur Pressemeldung

Zuletzt besuchte Seiten