120 Jahre Leipziger Volkshaus – der DGB erinnert an die wechselvolle Geschichte des Hauses seit 1906

Datum

Ordnungsnummer 4 2026

„Seit nunmehr 120 Jahren steht das Gewerkschaftshaus im Leipziger Süden. Ein Haus mit langer Tradition, welches uns in den heutigen Tagen wie kaum ein zweiter Ort an die Verantwortung für Demokratie, Gerechtigkeit und Solidarität erinnert. Es ist ein Ort des Arbeitskampfes, des Widerstandes und ein Symbol für die Selbstorganisation der Arbeiterinnen und Arbeiter“, betont Daniel Knorr, Regionsgeschäftsführer der DGB Region Leipzig-Nordsachsen.

Die Leipziger Arbeiterschaft sammelte 1904 120.000 Mark. Mit diesem Geld wurde das Haus gebaut und am 15. Juni 1906 feierlich eröffnet. Ein imposanter Bau mit Unterkunft für Wandergesellen, einem Versammlungs-, Konzert- und Festsaal für 1.000 Personen, eine Restauration und vielem mehr.

Wenige Jahre später am 19. März 1920 wurde das Volkshaus während des Kapp-Putsches von rechtsradikalen Anhängern der Reichswehr beschossen und brannte infolgedessen aus.

„Trotz alledem!“ stand auf den Solidaritätsmarken, mit denen im In- und Ausland ab 1922 Geld für den Wiederaufbau gesammelt wurde. Am 1. Mai 1923 konnte es wieder eröffnet werden. In den Folgejahren war es ein Ort in Leipzig, an dem in Veranstaltungen vor Krieg und Faschismus gewarnt wurde und wie schon vor dem I. Weltkrieg, organisatorisches und kulturelles Zentrum der Leipziger Gewerkschaften.

Am 9. März 1933 stürmten SA und SS das Volkshaus in Leipzig. Sie verwüsteten das Haus, vertrieben die Beschäftigten und zertrümmerten das Mobiliar. Wenige Wochen später wurde das Haus enteignet und von der „Nationalsozialistischen Betriebszellen-Organisation“ forthin „Haus Vaterland“ genannt.

Als am 18. Mai 1945 der Leipziger ADGB-Vorsitzende Erich Schilling nach jahrelanger Haft aus dem KZ Buchenwald entlassen wurde, führte sein erster Weg zum Volkshaus nach Leipzig. Dieses war durch den Krieg völlig zerstört, und so hieß es 1946 erneut: „Wir bauen auf. Trotz alledem.“

Bis 1990 war das Volkshaus „Ernst-Thälmann-Haus“ und Sitz des FDGB.

 

Mit der Aufgabe der Gewerkschaften, neue und freie Gewerkschaften aufzubauen, begannen der DGB und einzelne Gewerkschaften ab 1990 ihre Arbeit im Volkshaus Leipzig. Das Ziel, struktur-politische Anstrengungen zu unternehmen, stand dabei im Mittelpunkt. Denn es brauchte neue Formen der Wirtschaftsförderung und neue Arbeitsplätze für die Menschen.

1994 erwirbt der DGB das Haus von der Treuhand und veräußerte es 2006 an einen privaten Investor. Nach scharfen Protesten und einer symbolischen Hausbesetzung durch Leipziger Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter gegen die “ Verscherbelung unseres Eigentums“ kaufte 2009 die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di das Haus von Mitgliedsbeiträgen von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern  wieder zurück. 

„Gemeinsam mit dem Freundeskreis Leipziger Volkshaus werden wir am 25.6.2026, anlässlich unseres Sommerfestes, an die bewegte und historisch bedeutsame Geschichte unseres Hauses erinnern. Sie zeigt, wie wichtig es ist, dass sich Kolleginnen und Kollegen organisieren, um gegen Ungerechtigkeit und für Solidarität, bessere Arbeitsbedingungen, Frieden und Antifaschismus zu kämpfen.“, resümiert Daniel Knorr.

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