Löhne in Sachsen

Wir machen uns gemeinsam für bessere Löhne in Sachsen stark. Die Lohnlücke zwischen Ost und West muss eingerissen werden.

Die Löhne in Sachsen sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Das ist vor allem den Beschäftigten und ihren Gewerkschaften zu verdanken, die sich mutig für mehr Tarifverträge und höhere Löhne stark machen. Auch der Fachkräftebedarf wirkt sich auf die Erhöhung der Löhne aus. Viele Beschäftigte in Sachsen sind nicht mehr bereit, für niedrige Löhne zu arbeiten und stimmen zunehmend mit den Füßen ab. Die Zahl der Beschäftigten, die in andere Bundesländer zur Arbeit pendeln steigt weiter an. Auch die Einführung und Erhöhung des Mindestlohns hat zur Erhöhung der Löhne geführt. 

Im bundesweiten Vergleich liegen die Löhne in Sachsen aber noch deutlich unter den Löhnen in Westdeutschland. Das liegt vor allem an der geringen Tarifbindung in Sachsen. Die Tariflöhne sind fast vollständig angeglichen. Ein Grund mehr, sich für die Tarifwende in Sachsen stark zu machen. Tarifverträge müssen auch in Sachsen endlich zur Normalität und nicht zur Ausnahme werden. 

Medianlöhne 2025 in Sachsen

Einmal im Jahr veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit Daten zu den monatlichen Medianlöhnen von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in den Bundesländern und Kreisen. Medianlohn heißt, dass 50 Prozent der Beschäftigten mehr und 50 Prozent weniger verdienen. 

Der Medianlohn zum 31.12.2025 ist gegenüber dem Vorjahr in Sachsen um 200 Euro monatlich bzw. 5,9 Prozent gestiegen. Bundesweit lag die Steigerung bei 203 Euro bzw. 5,1 Prozent. Die Lücke zwischen den Löhnen in Sachsen und Westdeutschland konnte also nicht weiter geschlossen werden. 

Ost-West und regionale Unterschiede

Der Medianlohn liegt mit 3.588 Euro in Sachsen deutlich unter dem in Westdeutschland mit 4.315 Euro. Eine Lohnlücke von 727 Euro monatlich ist durch nichts zu rechtfertigen. Aber auch gegenüber dem Medianlohn in Ostdeutschland in Höhe von 3.761 Euro liegt Sachsen noch zurück. Es besteht dringender Handlungsbedarf, die Lohnlücken endlich zu schließen. 

Im bundesweiten Vergleich liegt der Erzgebirgskreis auf dem vorletzten Platz und der Landkreis Görlitz auf dem drittletzten Platz. Auch der Vogtlandkreis und der Landkreis Mittelsachsen finden sich bundesweit unter den letzten zehn Plätzen. An letzter Stelle befindet sich der Saale-Orla-Kreis. Auf dem Spitzenplatz liegt die Stadt Erlangen mit einem Medianlohn von 6.083 Euro monatlich. 

Daniela Kolbe, Vorsitzende DGB Sachsen.
Lohnmauer einreißen
Noch immer bestehen enorme Lohnunterschiede zwischen Ost und West. Die Lohnmauer muss endlich eingerissen werden. Dafür machen wir uns mit den Beschäftigten stark!
Daniela Kolbe, Vorsitzende DGB Sachsen

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Der Medianlohn von vollzeitbeschäftigten Frauen in Sachsen ist gegenüber 2024 um 224 Euro auf 3.604 Euro gestiegen. Damit liegt er nun leicht über dem Medianlohn der Männer mit 3.581 Euro. Ein Grund zum Jubeln ist das aber nicht. Gegenüber den Medianlöhnen von Frauen im Westen, liegt er bei Frauen in Sachsen um 455 Euro niedriger und bei Männern in Sachsen um 876 Euro niedriger als bei Männern im Westen. Die geringe Lücke ist also erkauft durch niedrige Löhne der Männer. Klar ist: wir brauchen höhere Löhne für Frauen und Männer.

Unterschiede zwischen den Branchen in Sachsen

Die Höhe der Medianlöhne unterscheidet sich deutlich zwischen den Branchen. Die Spanne liegt zwischen 5.275 € bei der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen und 2.486 € in der Leiharbeit. 

Niedriglöhne sind in Sachsen noch weit verbreitet

Der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnbereich (unter 2.811 Euro monatlich) liegt in Sachsen mit 24,3 Prozent der Beschäftigten deutlich höher als in Westdeutschland mit 14,2 Prozent und auch höher als in Ostdeutschland insgesamt mit 21,7 Prozent. 

Positiv ist, dass die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten gegenüber dem Vorjahr weiter zurückgegangen ist. 

Ein Grund zur Zufriedenheit ist das aber nicht. Zu viele Beschäftigte in Sachsen sind von Niedriglöhnen betroffen. Bundesweit den höchsten Anteil hat der Landkreis Erzgebirge mit 35,0 Prozent, den niedrigsten hat Wolfsburg mit 5,6 Prozent.

In allen Landkreisen und Städten in Sachsen ist die Zahl der Beschäftigten im Niedriglohnsektor zurückgegangen. 

Mehr Lohngerechtigkeit - was ist zu tun?

Einige Gründe für den hohen Anteil der Beschäftigten mit geringer Entlohnung in Sachsen sind bekannt, nicht neu und müssen endlich gezielt angegangen werden. 

Tarifwende jetzt!

Gute Löhne gibt es nur mit Tarifvertrag. Bei der Tarifbindung steht Sachsen aber mit lediglich 41 Prozent der Beschäftigten und 16 Prozent der Betriebe gar nicht gut da. Die Tarifbindung und die Wichtigkeit von Tarifverträgen in Sonntagsreden zu beschwören, reicht nicht mehr. Es muss jetzt gehandelt werden, indem besser Rahmenbedingungen für eine höhere Tarifbindung geschaffen werden. Eine entscheidende Stellschraube ist, öffentliche Mittel nur noch an Unternehmen mit Tarifvertrag zu vergeben. Was in anderen Bundesländern bereits geregelt ist, wird in Sachsen von der CDU blockiert. Viel zu lange wurden in Sachsen öffentliche Mittel für Billiglöhne eingesetzt. Wir brauchen jetzt eine Tariftreueregelung und einen vergabespezifischen Mindestlohn für das Land und die Kommunen im sächsischen Vergabegesetz! 

Auf Bundesebene ist inzwischen das Tariftreuegesetz beschlossen und eingeführt worden. Weiter muss der „Ohne-Tarif-Mitgliedschaft“ in Arbeitgeberverbänden ein Riegel vorgeschoben werden, damit sich Unternehmen nicht aus der Tarifbindung herausstehlen können. Hier gibt es mehr Infos zur Tarifbindung in Sachsen.

Betriebliche Mitbestimmung ausbauen!

Betriebs- und Personalräte sorgen dafür, dass die Beschäftigten nach Qualifikation, Kompetenzen und Aufgaben eingruppiert werden. Sie sind damit in den Betrieben wichtige Garanten für eine angemessene Entlohnung, für gute Arbeitsbedingungen, hochwertige Aus- und Weiterbildung etc. Ihre Arbeit muss gestärkt und darf nicht behindert werden. Hier gibt es mehr zur Mitbestimmung. 

Aus- und Weiterbildung stärken!

Die Qualifikation hat einen wesentlichen Einfluss auf die Tätigkeit der Beschäftigten und auf die Entlohnung. Der Medianlohn von Beschäftigten ohne Berufsabschluss liegt mit 2.756 Euro um 833 Euro unter dem aller Beschäftigten in Sachsen. Mit einem anerkannten Berufsabschluss liegt er bei 3.381 Euro und mit einem akademischen Berufsabschluss bei 5.334 Euro. Ähnlich sieht die Spreizung der Medianlöhne nach Tätigkeiten aus. Bei Beschäftigten mit Helfertätigkeiten liegt der Medianlohn bei 2.758 Euro, bei Fachkräften bei 3.296 Euro, bei Spezialisten bei 4.339 Euro und bei Experten bei 5.663 Euro. 

Dem entsprechend muss die Aus- und Weiterbildung von Beschäftigten gestärkt werden. Die Ausbildungsbedingungen von jungen Menschen müssen verbessert und die unbefristete Übernahme garantiert werden. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Strukturwandels werden die Kompetenzen der Beschäftigten eine immer wichtigere Rolle spielen. Auch der ab 1.1.2027 in Sachsen geltende gesetzliche Anspruch auf Bildungsfreistellung muss jetzt schnell und bürokratiearm umgesetzt werden.

Fachkräfteentwicklung gerecht gestalten!

Häufig wird die Attraktivität Sachsen für Fachkräfte aus dem In- und Ausland beschworen. Beschwörungen helfen aber nicht, wenn die Realität anders aussieht. Wer Fachkräfte anwerben und halten will, kann mit niedrigen Löhnen im Wettbewerb um die Köpfe nicht bestehen. Das gilt auch bei der Anwerbung im Ausland. Der Medianlohn von Ausländerinnen und Ausländern liegt in Sachsen mit 2.873 Euro um 716 Euro unter dem aller Beschäftigter in Sachsen. 

Die Beschäftigten erwarten zu Recht ordentliche und ihrer Qualifikation entsprechende Löhne. Mit niedrigen Löhnen und Tätigkeiten im Helferbereich wird Sachsen für Zuwanderung aus dem In- und Ausland nicht attraktiv sein. Andere Bundesländer bieten bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

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Löhne in Sachsen: Tarifwende für mehr Lohngerechtigkeit jetzt!

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Kurzinfo

Einmal im Jahr veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit Daten zu den monatlichen Medianlöhnen von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in den Bundesländern und Kreisen. Medianlohn heißt, dass 50 Prozent der Beschäftigten mehr und 50 Prozent weniger verdienen. Hier schauen wir genauer auf die Situation in Sachsen und leiten Forderungen ab.

13. August 2026

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