DGB-Jugend Sachsen startet Kampagne „Mehr Scheine für Azubi-Wohnheime“: Ausbildung darf nicht am Wohnungsmarkt scheitern

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Ordnungsnummer 65

Wer für eine Ausbildung in eine andere Stadt zieht, steht häufig vor einer großen finanziellen Herausforderung: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, die Mieten steigen und die Ausbildungsvergütung reicht oft kaum aus, um die laufenden Lebenshaltungskosten zu decken. Mit der Kampagne „Mehr Scheine für Azubi-Wohnheime!“ macht die DGB-Jugend Sachsen auf die schwierige Wohnsituation vieler Auszubildender aufmerksam und fordert konkrete politische Maßnahmen. Ziel ist es, mehr bezahlbare Wohnheimplätze zu schaffen und jungen Menschen unabhängig von ihrer finanziellen Herkunft einen selbstbestimmten Start ins Berufsleben zu ermöglichen. 

Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt eine Umfrage der DGB-Jugend Sachsen: Mehr als die Hälfte der befragten Auszubildenden ist mit ihrer Wohnsituation unzufrieden oder sehr unzufrieden. Viele junge Menschen möchten eigenständig wohnen, können sich eine eigene Wohnung oder ein WG-Zimmer angesichts hoher Mietkosten jedoch nicht leisten. Deswegen wird die DGB-Jugend mit der Kampagne auch an Berufsschulen, in Ausbildungsbetrieben und im öffentlichen und digitalen Raum unterwegs sein.

Vincent Seeberger, Bezirksjugendsekretär der DGB-Jugend Sachsen: „Es kann nicht sein, dass junge Menschen einen Ausbildungsplatz finden, motiviert ins Berufsleben starten wollen und dann am Wohnungsmarkt scheitern. Wer für seine Ausbildung ganz oder zeitweise in eine andere Stadt ziehen muss, braucht eine realistische Chance, dort auch bezahlbar zu wohnen. Die Ausbildungsvergütung muss zum Leben reichen – und zwar nicht nur für die Miete, sondern auch für Lebensmittel, Fahrtkosten, Kleidung und alles, was sonst zum Alltag gehört. Wenn ein Großteil des Geldes bereits für die Wohnkosten draufgeht, bleibt kaum Spielraum für gesellschaftliche Teilhabe oder finanzielle Rücklagen. Das ist für junge Menschen eine enorme Belastung und kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass sie eine Ausbildung gar nicht erst antreten oder wieder abbrechen. 

Gleichzeitig reden wir überall über den Fachkräftebedarf. Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Auszubildende dort leben können, wo sie gebraucht werden. Deshalb fordern wir als DGB-Jugend Sachsen mehr öffentliche Investitionen in Azubiwohnheime, ein Azubiwerk für Sachsen und Mieten, die sich Auszubildende tatsächlich leisten können. Wir brauchen Wohnheime, die gute Lebensbedingungen bieten, Selbstständigkeit ermöglichen und Gemeinschaft fördern. Und wir brauchen eine Politik, die junge Menschen beteiligt, statt über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden. Wohnen ist kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben.“

Konkrete Forderungen für bezahlbares Azubiwohnen

Mit der Kampagne verbindet die DGB-Jugend Sachsen konkrete Forderungen an die Politik. Im Mittelpunkt stehen:

  • Mehr Geld für Azubiwohnen: Öffentliche Investitionen sollen den Ausbau von Wohnheimplätzen ermöglichen.
  • Ein Azubiwerk für Sachsen: Eine zentrale Struktur soll die Interessen und Wohnbedürfnisse von Auszubildenden berücksichtigen.
  • Bezahlbare Mieten: Die Wohnkosten sollen höchstens 25 Prozent der Mindestausbildungsvergütung betragen.
  • Wohnheime dort, wo sie gebraucht werden: Neue Plätze müssen sich an den Standorten von Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen orientieren.
  • Wohnraum, der zum Leben passt: Gefordert werden möblierte Einzelzimmer mit eigenem Bad und Kochnische, Gemeinschaftsräume sowie eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.
  • Beratung und Unterstützung: Minderjährige Auszubildende sollen Zugang zu psychosozialer Beratung und sozialpädagogischer Betreuung erhalten.
  • Mitbestimmung und gewerkschaftliche Rechte: Auszubildende müssen bei Entscheidungen über ihre Wohnbedingungen mitreden können. Dazu gehört auch ein Zugangsrecht für Gewerkschaften.

Ausbildung darf nicht am Wohnungsmarkt scheitern!

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