Die sächsische DGB-Chefin Daniela Kolbe sagte heute zu den Vorschlägen der Rentenkommission:
„Die Rentenreform muss den Lebensstandard im Alter dauerhaft absichern und gerecht sein. Es gibt gute Ansätze in dem Vorschlag – es bleibt aber noch viel Luft nach oben.“
Als positiv bewertet Kolbe das Ziel, den Lebensstandard auf dem Niveau von 70 Prozent des Nettoeinkommens eines Durchschnittsverdieners zu sichern, sozialversicherungsfreie Minijobs weitestgehend abzuschaffen und weitere Gruppen wie Selbständige und Abgeordnete in die Rentenversicherung einzubeziehen. Kritisch sei vor allem die vorgeschlagene Abschaffung der Rente nach 45 Jahren, die Anhebung des Renteneintrittsalters und die Einführung einer kapitalgedeckter Zusatzvorsorge.
„Die gesetzliche Rente ist kein Nice-to-have, sondern für viele Menschen die einzige Absicherung im Alter. Gerade in Ostdeutschland hat der Großteil der Beschäftigten keine zusätzliche betriebliche Rente oder größere Vermögen, auf die sie im Alter zurückgreifen können. Deshalb ist die Rentenfrage in Ostdeutschland besonders existenziell. Es darf in keinem Fall zu weiteren Rentenkürzungen kommen.
Die Rentenpolitik ist auch eine Frage der Gerechtigkeit. Die vorgeschlagene Abschaffung der Rente nach 45 Jahren verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen, die über viele Jahre gearbeitet und in das Solidarsystem eingezahlt haben. Damit wird Vertrauen verspielt.
Auch die Erhöhung des Renteneintrittsalters lehnen wir ab. Schon heute schätzt nicht mal jeder zweite Beschäftigte in Sachsen ein, seinen Job bis zur Rente durchzuhalten. Im Gesundheitswesen sagen sogar 62 Prozent, dass sie ihren Job nicht bis zur Rente schaffen werden. In Verkehr und Logistik 57 Prozent und in Fertigungsberufen 55 Prozent. Für diese Beschäftigten müssen bessere Wege in die Rente gefunden werden. Ansonsten bedeuten die Vorschläge vor allem Eins: eine Rentenkürzung“, mahnte Kolbe.