Erinnerungen an den Gewerkschafter Alwin Brandes

Datum

Ordnungsnummer 37

Erinnerungen an den Gewerkschafter Alwin Brandes 

 

Am 12. Juni 1866 wurde in Großschönau Alwin Brandes geboren. 
Vater Heinrich August Brandes betrieb seit 1860 im Ort eine kleine Maschinenfabrik. Nur zwei Tage nach der Geburt des Sohnes brach der Deutsche Krieg zwischen dem Deutschen Bund unter der Führung Österreichs auf der einen und Preußen sowie dessen Verbündete auf der anderen Seite aus. Es endete mit dem Sieg Preußens und seiner Verbündeten. 

Familie Brandes hatte in der militärischen Auseinandersetzung ihre wirtschaftliche Existenz verloren und verließ mit dem Säugling Alwin Großschönau noch im Jahr 1866 und zog nach Halle an der Saale.

1872 erfolgte die Einschulung von Alwin Brandes. Auf Drängen seines Vaters erlernte er nach Schulabschluss das Schlosserhandwerk, welches in der Lehre geprägt war von 14-Stunden-Arbeit, Entbehrungen und Prügel. 

Nach erfolgreicher Beendigung der Lehre arbeitete Alwin ab 1883 in einer Magdeburger Maschinenfabrik und qualifizierte sich zum Maschinenbauer. Schon bald betätigte er sich als Funktionär, der noch jungen Arbeiterbewegung, was wohl der erste Schritt zu seiner Politisierung war. 

Alwin Brandes begeisterte sich für die sozialistischen Ideale und mit starkem Widerwillen gegen allen militärischen Geist seiner Zeit. Zwischen 1900 – 1918 war er regionaler Gewerkschafts- und SPD-Funktionär im Kaiserreich. Nach der Novemberrevolution (1918/1919) wurde Alwin Brandes Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in Magdeburg und gelangte an die Spitze der größten Gewerkschaft der Welt. 

Als Vorsitzender des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes (DMV) agierte er von 1919 bis 1933 und gehörte zur Gruppe der sozialdemokratischen Gewerkschafter. 

Alwin Brandes war Mitglied des Deutschen Reichstages von 1912 bis 1919, 1920 bis 1924 und von 1928 bis 1933. Im Jahr 1932 richtete er seine Arbeit auf die Schaffung einer Einheitsgewerkschaft aller demokratischen Richtungsgewerkschaften aus und wurde in den Jahren 1933 bis 1945 zum führenden Widerständler des NS-Staates. 

Im Sommer 1933, Brandes war schon 67 Jahre als, wurde er verhaftet und im Konzentrationslager Sachsenburg eingesperrt. Die im Exil hergestellte „Deutsche Volkszeitung“ berichtet in ihrer Ausgabe vom Oktober 1937 von der Freilassung Alwin Brandes. Er agierte weiter in der Illegalität, häufig im Hintergrund. Bei ihm, als ehemaligen Vorsitzenden des DMV liefen die Fäden der illegalen Organisation zusammen. Alwin Brandes galt als Kopf des DMV-Funktionär-Kreises.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, setzte er sich für den Neuaufbau der Gewerkschaften ein und trat als Kritiker des ab 1946 schon erkennbaren Zentralisierungsprozess im FDGB auf, vor allem gegen die Unterordnung des FDGB unter der SED- und Staatsführung, denn er hatte seit den 1920er Jahren eine ablehnende Haltung gegenüber kommunistischer Parteipolitik. 

Das bewegte Leben des einst im Großschönau geborenen Alwin Brandes vollendete sich am 06. November 1949 in Berlin, 83-jährig. 

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