Nach wie vor gravierende Lohnunterschiede zwischen Ost und West. Mit Tarifvertrag gelingt die Einheit besser!

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Ordnungsnummer 58

Vor dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober und mit Blick auf die Ost-West-Lohnlücke sagte die sächsische DGB-Chefin, Daniela Kolbe, heute in Dresden: 

„Auch nach 36 Jahre ist die Einheit auf dem Lohnzettel noch nicht hergestellt. Vollzeitbeschäftigte im Osten verdienen im Schnitt 12.415 Euro brutto weniger im Jahr als im Westen. Das ist eine Entgeltlücke von fast 20 Prozent. Statistisch betrachtet arbeiten die Beschäftigten in Ostdeutschland im Vergleich zu Westdeutschland im Schnitt fast 72 Tage umsonst. Das ist durch nichts zu rechtfertigen und sorgt für Frust bei den Beschäftigten in Ostdeutschland.“

Das Thema soziale Gerechtigkeit bewegt viele Menschen in Ostdeutschland. Das haben auch die Wahlbefragungen der letzten Wochen erneut gezeigt. Die bestehenden Lohnunterschiede sind neben den geringeren Vermögen ein wichtiger Aspekt. „Es ist höchste Zeit, für mehr Lohngerechtigkeit zu sorgen und damit dem weiteren Auseinanderdriften von Ost und West entgegenzuwirken. Große Reden an die Nation verpuffen als Lippenbekenntnisse und sind wenig hilfreich. Die Angleichung der Löhne ist hingegen nicht nur ein wichtiges Signal, sondern kommt bei den Beschäftigten direkt im Portemonnaie an“, betonte Kolbe. 

Ein wichtiger Hebel zur Schließung der Ost-West-Lohnlücke sei die Stärkung der Tarifbindung in Ostdeutschland. „Klar ist: Mit Tarifvertrag gelingt die Einheit besser. Die Ost-West-Angleichung ist bei den tariflichen Löhnen mit 98,5 Prozent so gut wie geschafft. Das ist ein Verdienst der Gewerkschaften und der Beschäftigten, die sich seit Jahren für die Angleichung stark machen und auch die Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern nicht scheuen. Vollzeitbeschäftigte mit Tarifvertrag verdienen in Sachsen im Median rund 13.603 Euro mehr im Jahr als Vollzeitbeschäftigte ohne Tarifvertrag. Das ist ein enormer Unterschied“, sagte Kolbe.

Kolbe mahnte die Sächsische Staatsregierung, endlich für eine Stärkung der Tarifbindung in die Offensive zu gehen. Dazu gehört, dass öffentliche Gelder nur noch an Unternehmen mit Tarifvertrag vergeben werden sollen. „Nur 41 Prozent der Beschäftigten in Sachsen arbeiten mit Tarifvertrag. Sachsen liegt damit bei der Tarifbindung der Beschäftigten bundesweit auf dem letzten Platz. Unser Ziel ist, dass Tarifverträge in Sachsen zur Normalität werden und nicht einzeln von den Beschäftigten und Gewerkschaften gegen Widerstände erkämpft werden müssen. Unternehmen, die sich der Tarifbindung verweigern, dürfen nicht weiter mit öffentlichen Geldern finanziert werden“, forderte Kolbe.

An die Beschäftigten in Sachsen appellierte Kolbe, sich gemeinsam mit ihren Gewerkschaften für Tarifverträge stark zu machen. „Gerade in unsicheren Zeiten sind Tarifverträge ein großer Vorteil. Sie bieten nicht nur höhere Löhne, sondern auch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit“, so Kolbe. 

Hintergrund:

Die Berechnungen zu den Verdiensten und zum Tarifvorteil beruhen auf einer Sonderauswertung zur Tarifbindung aus der Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes. Für den Tarifvorteil wurden die Median-Bruttojahresverdienste einschließlich Sonderzahlungen von Vollzeitbeschäftigten betrachtet und nach tarifgebundenen und nicht tarifgebundenen Beschäftigten differenziert. Die Angabe zur Tarifbindung in Sachsen stammt aus dem IAB-Betriebspanel 2025. Die Angabe zur Ost-West-Angleichung der Tariflöhne stammt vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) für das Jahr 2024.

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